"Hier geblieben" - Aufführung des GRIPS-Theaters Berlin am MCG

gripstheater

Über 300 Schülerinnen und Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums hatten am Dienstag, den 10.10.2006 einen ganz anderen Unterricht als sonst: Das GRIPS-Theater Berlin gastierte auf Vermittlung der Caritasverbandes Breisgau Hochschwarzwald e. V. und ihres Migrationsmitarbeiters, Wolfgang Busse, in der Schule. Weitere Mitveranstalter waren das Diakonische Werk Breisgau Hochschwarzwald sowie die Jugendpflege Kirchzarten und der Helferkreis Flüchtlinge Kirchzarten. Kurze Zeit war unklar, ob die Aufführung überhaupt stattfinden könne, denn unmittelbar vor Beginn stellte sich heraus, dass ein größerer Wespenschwarm sich in den Vorhängen der Aula niedergelassen hatte und bereits unruhig herumschwirrte. Zum Glück war ein strahlend schöner Herbsttag, und die Lage der Schule ermöglichte die Verlagerung der Aufführung ins Freie - vor das ruhige Panorama des Giersberges.

Die Schauspieler überwanden diese Schwierigkeiten mit Leichtigkeit, ist doch das Stück durchaus auch straßenerprobt. Thema ist eine wahre Begebenheit aus einer Berliner Hauptschule. Dort wurde eines Tages eine 13jährige Schülerin, die vor 10 Jahren vor dem Krieg in Bosnien mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet war, aus der Klasse geholt und von Polizisten zur Abschiebung weggebracht. Sie traf später ihre Familie in einem Lager, jedoch schon nach kurzer Zeit wurden sie getrennt. Vater und Schwester mussten zurückkehren in ein Land, in dem sie nichts als Fremdheit und Armut erwartet, während Mutter und Tochter in Berlin bleiben konnten, jedoch in ein Abschiebelager gebracht wurden.

Dem unermüdlichen Einsatz der entsetzten Klassenkameraden und ihrer Lehrerin war es zu verdanken, dass die Medien auf den Fall aufmerksam wurden und für das Mädchen doch noch ein Lösung gefunden werden konnte, die es ihr ermöglicht, nun den Schulabschluss in Deutschland zu machen.

Für die meisten Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 11 des Gymnasiums war diese Problematik sicher nicht sehr bekannt, obwohl auch in der Gemeinde Kirchzarten ein Asylbewerberheim ist und ganz in der Nähe, in Freiburg-Littenweiler, ja gerade eine Familie im Kirchenasyl Unterschlupf gefunden hat, um der drohenden Abschiebung zu entgehen. Die Schauspieler berichteten davon, dass durch die Aufführung ihres Stückes schon in so mancher Stadt eine spontane Initiative entstand, um in ähnlichen Fällen zu helfen.

"Vielleicht werdet ihr durch das, was ihr heute erfahren habt, ja in Zukunft aufmerksam auf ähnliche Fälle und überlegt, ob ihr helfen könnt", das war die Hoffnung, die Herr Busse am Schluss ausdrückte.


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