Gedenkfeier 1.Weltkrieg

„Wer an Europa zweifelt, sollte die Soldatenfriedhöfe besuchen.“

Erinnerungsprojekt an Hundert Jahre Erster Weltkrieg am Marie-Curie-Gymnasium Kirchzarten

Unter der Regie der Lehrerinnen Angelika Doetsch und Katrin Granacher haben die Schülerinnen und Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums gelesen, geforscht und dokumentiert. Das beeindruckende Ergebnis präsentierten sie am Donnerstag einem großen Publikum.

Der Roman „Wir sehen uns da oben“ von Piere Lemaitre, der während und vor allem nach dem Ersten Weltkrieg das Schicksal zweier französischer Freunde schildert war der Mittelpunkt des Projektes der Schulgemeinschaft: „Eine Schule liest ein Buch.“ Zu Beginn des Gedenkabends gab ein literarisches Quartett seine Leseeindrücke preis. Die Geschichtslehrerin Myriel Thoma betonte, wie sehr es sie beeindruckt habe, mit welcher Leichtigkeit die unfassbaren Schrecken des Krieges und dessen Folgen geschildert wurden. Bürgermeister Andreas Hall schilderte seine tiefe Wahrnehmung der Geschichte und stellte sich und dem Publikum die Frage, ob die Menschen damals besser oder sensibler gewesen seien. Die Schülersprecherin Sophie Rahner war so ergriffen von dem Buch, dass sie es an einem Tag durchlas und nahm in der Beziehung der Protagonistenschwester zum Antagonisten Henry Pradelle die Kälte der damaligen Zeit wahr. Ihr Mitschüler aus dem Geschichtskurs, Hannes Rombach bezeichnete diesen Karriereleutnant geradezu als „Stinker“ – und das sei noch nett ausgedrückt.

Gedenkfeier

Anhand der Verletzungen der Protagonisten Edouard und Albert stellten zwei Schülerinnen eindrucksvolle Beiträge über die Phänomene Kriegszittern und Traumatisierung sowie zwei weitere Schülerinnen Schilderungen über die Grauen der Schlachten am Hartmannsweilerkopf dar, der von den Franzosen und Deutschen „Menschenfresser“ genannt wurde. Noch bis nach Freiburg war der Artillerielärm seiner Zeit zu hören. Mehr als 60 000 Tote gab es dort, und seit Herbst 2017 gibt es endlich eine gemeinsame und zweisprachige Gedenkstätte. Über die unterschiedliche Gedenkkultur in Frankreich und Deutschland, die auch anhand der Gestaltung der Friedhöfe wahrzunehmen ist, sprach Lars von Sengbusch (Klasse 11) mit dem Geschäftsführer des Bezirksverbandes Südbaden der Kriegsgräberfürsorge, Oliver Wasem. Sie diskutierten das fragwürdige Heldentum der Soldaten und betonten eindringlich, dass die Gräber zum Frieden mahnen sollten. „Wer an Europa zweifele oder gar verzweifele, solle nur einmal einen Soldatenfriedhof besuchen,“ zitierte Wasem diesbezüglich Jean-Claude Juncker. Der Abend in der vollbesetzten Aula des Marie-Curie-Gymnasiums transportierte diese Mahnung eindrucksvoll durch die unterschiedlichen Beiträge. Gekonnt tiefsinnig und emotional zugleich präsentierten drei Schülerinnen des Kunstkurses der Klasse 11 Werke von Käthe Kollwitz, Otto Dix und Alfred Kubin und schafften so visuelle Eindrücke des literarischen Impulses. Christian Geugelin begleitete am Flügel mit Werken von Schönberg und Satie die Reflexion und unterstrich mit Hannes Wader „längst finden sich immer mehr Menschen bereit, diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.“

Die Organisatorinnen des Projektes, Angelika Doetsch und Katrin Granacher führten durch Moderation und Interviews durch den Abend. So stellte Hannes Sturm aus der Klassenstufe 11 seine Recherchen zu Kirchzarten im Ersten Weltkrieg vor. Der Ort war im Gegensatz zu Freiburg keine Frontstadt, sondern hatte lediglich die Funktion zur Sicherung der Bahnlinie. In Kirchzarten meldeten sich bei Kriegsbeginn 1914 180 Freiwillige, von denen 37 gefallen sind. Für einen, den Offizier Alois Bach, der 1916 an der Somme starb, gibt es ein pompöses Grabmal, während das Denkmal vor der Kirche eher schlicht gehalten ist. Am Volkstrauersonntag führte Hannes Sturm am Denkmal vor St. Gallus dann auch noch einmal gesondert seine Recherchen aus. Den in die Zukunft weisenden Abschluss lieferte der Projektchor der Schulgemeinschaft, aus Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern, der die Europa-Hymne „Freude schöner Götterfunke“ mehrstimmig zum Vortrage brachte, bis in die vierte Strophe alle Anwesenden einstimmten. Es war ein beeindruckender Geschichtsabend und ein bewegendes Beispiel, wie Schülerinnen und Schüler von aktuellen Projekten begeistert sind und andere damit begeistern können. Die Mahnung ist bei den Anwesenden angekommen.

Sebastian Lilje