Exkursion zum Lingenkopf 2018

Die vergessene Front und Frankreichs „nutzloses Monstrum“ – Die Geschichtskurse des 12er Jahrgangs auf den Spuren der Kriegsschauplätze des 1. und 2. Weltkrieges

Am Montag, den 22.10. machte sich die gesamte Jahrgangstunde 12 auf zu einer großen Tour durch das Elsass, um zwei Schauplätze des 1. und 2. Weltkrieges zu erkunden. Erstes Ziel war der Lingenkopf in den Vogesen, der zwischen Juli und Oktober 1915 Schauplatz verlustreicher Kämpfe wurde, denen über 10.000 Soldaten zum Opfer fielen. Die Vogesen galten nicht als aktive Front, entschieden wurde der Krieg woanders. Aber gerade hier konnten wir ein Paradoxon des Krieges erkennen. Die Deutschen hielten die Kammlinie, während sich die französischen Gegner nur wenige Meter darunter eingegraben hatten. Man hörte den Gegner mit dem Kochgeschirr klappern und pfeifen, verbrüderte sich bisweilen, um sich kurz darauf mit Feuerspritzen gnadenlos in die Luft zu sprengen.

Wir liefen durch die im Zickzack angelegten Laufgräben und versuchten uns durch Verlesen von Zeitzeugenbriefen die Situation zu vergegenwärtigen, was bisweilen sehr bewegend war. Zuvor haben wir das kleine Museum besucht, in welchem Waffen, Kleider und persönliche Habe, die in den Gräben gefunden wurde, aufbereitet ist. Nach einem Zwischenstopp beim deutschen Soldatenfriedhof Hohenrode, einem Mahnmal für Frieden und Völkerverständigung, wie Oliver Wasem (Geschäftsführer des Bezirksverbandes Südbaden der Kriegsgräberfürsorge) sinngemäß bei unserem Themenabend am 15.11. sagte, ging es weiter Richtung Maginotlinie in Marckolsheim.

Dieses Sinnbild französischer Sicherheitsängste gibt ein Zeugnis ab über die Tiefe des Konflikts zwischen Deutschland und Frankreich, dessen Ende noch nicht lange her ist. Die nach dem Verteidigungsminister Frankreichs benannte Verteidigungslinie wurde in 25 befestigten Abschnitten zwischen 1930 bis 36 entlang der französischen Grenz zu Belgien, Luxemburg, Deutschland und Italien gebaut. Nach den verlustreichen Erfahrungen des 1. Weltkrieges sollte dieses befestigte Defensivwerk Material und Menschen schützen. Doch es kam ganz anders. Die schnelle deutsche Panzerdivision durchbrach unerwartet die kaum verteidigte Ardennenlinie; Frankreich musste bald kapitulieren. Die Ansage „nehmt euch ausreichend Vesper für den ganzen Tag mit“ wurde von den Schülern dezent überhört und so ermöglichte es unser netter Busfahrer, dass wir uns mit französischen Köstlichkeiten eindecken konnten, was in Frankreich um die Mittagszeit gar nicht so einfach ist.

Endlich angekommen in Marckolsheim, erwartete uns dort Herr Klein, ein waschechter Elsässer, der uns als Zeitzeuge seine Erfahrungen als 7jähriger im 2. Weltkrieg schilderte. Danach blieb uns noch Zeit, uns in der ehemaligen Kasematte, die als kleines liebesvolles Privatmuseum umgestaltet wurde, umzusehen. Man bekam einen guten Einblick in die Lebenssituation der dort stationierten Soldaten und den Aufbau und Struktur einer Kasematte. Am 15. Juni 1940 begannen die deutschen Soldaten mit der Überschreitung des Rheins, am 17. Juni mussten die Bunker ihre Waffen strecken. Noch heute stecken in dem Bunker Panzergranaten und die Umgebung ist gekennzeichnet durch einen riesigen Bombenkrater, den man bei der Außenführung neben diversen Panzern und Jeeps bestaunen konnte. Vollgepackt mit vielen Informationen, Eindrücken und französischen Leckerlis bestiegen wir zum letzten Mal den Bus und kehrten am späten Nachmittag nach Kirchzarten zurück.

Ina Schmidt